Was ist häusliche Gewalt?
Es handelt sich um Gewalttaten zwischen Erwachsenen in bestehenden, sich auflösenden oder aufgelösten Partnerschaften, die in aller Regel über einen längeren Zeitraum wiederholt ausgeübt werden.
Häusliche Gewalt umfasst auch Gewalt zwischen erwachsenen Menschen, die in einem Angehörigenverhältnis zueinander stehen und/oder in einem Haushalt zusammenleben (z.B. gegenüber älteren Menschen). Dabei ist der Ort des Geschehens unerheblich.
Davon abzugrenzen ist Gewalt in der Familie, welche Gewalt gegen Kinder beinhaltet (siehe unten).
Die Haupttätergruppe sind männliche Partner, die Hauptopfergruppe sind Partnerinnen.
Neben den Partnerinnen als den häufigsten Opfern häuslicher Gewalt gibt es folgende weitere Opfergruppen:
- männliche Partner
- Partnerinnen und Partner in gleichgeschlechtlichen Beziehungen
- ältere Familienangehörige (z.B. alte Eltern, Großeltern)
- erwachsene Kinder, die von Ihren Eltern gewalttätig behandelt werden
- Eltern, die von ihren erwachsenen Kindern Gewalt erfahren
- Erwachsenen Geschwister
- Schwiegertöchter und –söhne, Schwiegereltern
- Angehörige mit Behinderungen
Das Auftreten häuslicher Gewalt ist unabhängig von Bildung oder Einkommen sowie Geschlecht und Alter. Sie umfasst Beschimpfungen, Drohungen und Demütigungen ebenso wie Schläge und Tritte, bis hin zu Vergewaltigungen und Tötungen. Der Täter hat dabei nur ein Ziel, Macht und Kontrolle über sein Opfer auszuüben.
Situation in der Bundesrepublik Deutschland
Ergebnisse der repräsentativen Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ (BMFSFJ Bericht Frauengesundheit, 2007) zeigen, dass Frauen aller Altersgruppen, aller Schichten und der unterschiedlichen ethnischen Zugehörigkeit im Laufe ihres Lebens in einem hohen Ausmaß von Gewalt betroffen sind. Dabei wird Gewalt gegen Frauen überwiegend durch Männer und vor allem durch Partner im häuslichen Bereich verübt. Ein besonders hohes Risiko besteht in Schwangerschaft, Trennungsphasen und wenn betroffene Frauen bereits in ihrer Kindheit und Jugend Gewalt erlitten haben.
Häufigkeit:
Nach Müller und Schröttle (2004) sind in Deutschland etwa 25% der Frauen in ihrem Erwachsenenleben mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller oder körperlicher Übergriffe.
Natürlich betrifft diese Problematik nicht nur Frauen. Auch Männer sind vom Thema Gewalt in verschiedener Ausprägung und deren Folgeerscheinungen betroffen (BMFSFJ 2004, Gewalt gegen Männer). Zum Verbreitungsgrad und zur Schwere von Gewalt gegen Männer sowohl im öffentlichen als auch im sozialen Nahraum existieren in Deutschland bislang noch keine verlässlichen Daten, die unterschiedliche Formen von Gewalt differenziert erfassen. Die Ergebnisse der nicht repräsentativen deutschen Pilotstudie lassen jedoch erkennen, dass Jungen und Männer insgesamt einem beträchtlichen Risiko körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewaltübergriffe unter anderem im öffentlichen Raum und in institutionellen Settings, aber auch in Partnerschaftsbeziehungen ausgesetzt sind. (Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Robert Koch Institut, Heft 42). Gewalt, auch schwere Gewalt in Paarbeziehungen ist, wie die 2008 vom BMFSFJ veröffentlichte Untersuchung zu „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“ zeigt, nicht ein Problem sozialer Randgruppen, sondern findet bislang weitgehend unbemerkt in der Mitte unserer Gesellschaft statt. Mehr als 60 % der betroffenen Frauen haben einen mittleren oder hohen Schulabschluss bzw. einen qualifizierten Beruf, 38 % der misshandelten Frauen verfügen sogar über die höchsten Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse. Ähnliche Befunde zeigen sich bei den Tätern.
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